Text: Daniel Bäldle


Thomas Truax


Ein Gutes hatte das Dresden-Dolls-Konzert dann doch. Genauer gesagt einen Guten.
Vermochte der Main Act selber auch nicht so recht zu überzeugen, der Typ, den sie
für das Vorprogramm im Schlepptau hatten, stellte mit links auf Anhieb so Manches
in den Schatten, was man bis dato erlebt hatte: Thomas Truax, so stellte er sich
vor, Truax, mit langem Tru. In aller Seelenruhe betrat er die Bühne, gab „Sister
Spinster“ einen Schubs, worauf sie losschepperte, und legte auf dem „Hornicator“
los. Wie bitte? Na, „Sister Spinster“ und der „Hornicator“ eben. Zur Erklärung:
Wir haben es hier mit einer Art Mischung aus Tom Waits und Daniel Düsentrieb zu
tun, denn Thomas Truax spielt düster skurrile Songwriter-Balladen auf selbstgebauten
Instrumenten aus Schrott. Wobei Instrument hier im weitesten Sinne zu verstehen
ist. Der „Hornicator“ war vermutlich mal der Schalltrichter eines Grammophons, in
den nun allerhand akustische Elektronik eingebaut ist und auf den Geigensaiten aufgespannt
sind. Bedient wird er vorzugsweise mit dem Kopf im Trichter. „Sister Spinster“ hingegen,
Thomas’ „Schlagzeugerin“, mutet an wie ein Spinnrad aus allem Möglichen Blechschrott,
das, einmal in Schwung gebracht, die verschiedensten Klapperrhythmen hervorzubringen
vermag. Zusammen mit seinen beiden Freunden also und seinem einzigen nicht selbstgebauten
Instrument – „Ihr kennt es vielleicht, es heißt Gitarre. Viele Mögen es. Und ich
mag es auch.“ – veranstaltet Thomas Truax einen einzigartigen, aberwitzigen und
zugleich tiefgründig ernsten Zirkus, der einen textlich konfrontiert mit einer unikat
schlüssigen Kombination aus tiefer Melancholie, ergreifender lyrischer Schönheit
und einem alles überragenden Humor. „Der nächste Song handelt von einem Schmetterling,
den ich einmal kannte,“ kündigt Thomas an und man glaubt es ihm aufs Wort, während
er mit einem kleinen batteriebetriebenen Handventilator die Gitarre spielt, um im
folgenden Song das Flattern des Schmetterlings nachzuahmen. Man ist schlichtweg
verzaubert. Vereinnahmt von künstlerischer Tiefe und zärtlichem Witz. In Deutschland
leider (noch) nicht im Laden erhältlich, finden sich Thomas’ beiden Alben „Full
Moon Over Wowtown“ (2002) und „Audio Addiction“ (2005) immerhin im iTunes Music
Store. Unbedingt empfehlenswert. Mehr unter http://www.thomastruax.com